Offener Brief an die Halloren Schokoladenfabrik

Sehr geehrter Herr Klaus Lellé,
sehr geehrter Herr Andreas Stuhl,
sehr geehrter Herr Michael Josefus,

wir, die „Initiative wildtierfreier Zirkus Halle“, haben erfahren, dass Sie Circus Rolina vom 24.12.2015 bis zum 03.01.2016 für sein Gastspiel in Halle ein Gelände zur Verfügung stellen. Wir kritisieren diese Entscheidung mit folgenden Begründungen:

Für Tiere, insbesondere für Wildtiere, stellt ein Leben im Zirkus eine extreme physische und psychische Belastung dar. Die Tiere leiden unter viel zu kleinen Käfigen; es steht ihnen meistens kein Auslauf zur Verfügung, und wenn doch, dann in viel zu kleinen Dimensionen. Auch die langen Transportwege in sehr kleinen Transportboxen beansprucht die Tiere stark, weil sie häufig viele Stunden oder gar Tage dort ausharren müssen, bis ihre Käfige am neuen Spielort errichtet sind.

Weiterhin stellen die "Kunststücke" und die damit verbundene Dressur für die Tiere keine willkommene Abwechslung dar, denn häufig werden brutale Dressurmethoden angewendet, um den Willen der Tiere zu brechen. Viele der präsentierten "Kunststücke" widersprechen den natürlichen Verhaltensweisen der Tiere und werden alles andere als freiwillig vorgeführt. Auch die Auftritte in der Manege werden von den Tieren nicht aus Spaß, sondern aus Zwang absolviert; denn grelles Licht, schrille Musik und laute Zuschauer*innen bedeuten für die Tiere stets Stress.
Viele Zirkustiere leiden außerdem unter den stark veränderten klimatischen Bedingungen und sind weder Schnee noch Minusgrade gewohnt.

Besonders Kinder sind Zielgruppe der Zirkusbetreiber*innen. Den Kindern wird eine Welt voller Glitzer, Spaß und Spannung vorgegaukelt und ihre Faszination für Tiere ausgenutzt. Wir halten das aber für den falschen pädagogischen Ansatz; denn auf diese Weise lernen Kinder nur, dass man mit Tieren wie mit Dressurobjekten umspringen, sie unterdrücken und ihnen den eigenen Willen aufzwingen kann. Stattdessen sollten sie doch aber vermittelt bekommen, dass es sich bei Tieren ebenfalls um fühlenden Individuen handelt, die man mit Respekt und Achtung behandeln sollte.

Auch für den Menschen stellen Zirkusse eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Nicht selten kommt es vor, dass Zirkustiere plötzlich ausbrechen, mitunter auch mitten in der Vorstellung, und dabei Dresseur*innen und Besucher*innen verletzen oder gar töten.

Zirkusbetreiber*innen rühmen sich meist damit, dass ihr Zirkus auf eine lange Tradition zurückblicken kann – dass es sich um Familienunternehmen handele, wo Leidenschaft zum Zirkus und zur Unterhaltung von Generation zu Generation weitergegeben werde. Doch das Berufen auf Tradition dient in diesem Fall der Hinderung kritischen Hinterfragens. Denn die Tatsache, dass in Zirkussen Ausbeutung von Tieren – verbunden mit Zwang, Gefangenschaft, Schmerzen, Strafen und permanenter Bevormundung – jahrhundertelang Gang und Gäbe waren und immer noch sind, ist mit nichts zu rechtfertigen – auch nicht mit Tradition.

Das Leben im Zirkus bedeutet für Tiere ein Leben in Gefangenschaft, ein Leben in engen Käfigen, Ketten und Transportern – ein Leben lang eingesperrt, gedemütigt und zur Ausführung von artwidrigen „Kunststücken“ in der Manege trainiert und gezwungen. Das ist eine Degradierung von Individuen zu Dressurobjekten – lediglich zur Belustigung des Publikums.

Wir kritisieren nicht nur die schlechten Haltungsbedingungen oder die rechtlichen Verfehlungen einzelner Zirkusse, sondern vor allem deren Systematik, die auf Qual, „Benutzung“ und Ausbeutung der Zirkustiere beruht: durch Gefangenhaltung, Zurschaustellung, stressvollen Transporten und der massiven Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit. Für diese Zustände sind nicht nur die Zirkusse verantwortlich. Verpächter wie Sie, aber auch die Sponsoren, die Behörden der Stadt Halle, ihre Bewohner*innen und vor allem die Besucher*innen von Zirkussen sollten Quälerei, Dressur und Gefangenhaltung nicht länger unterstützen oder dulden.

Wir sind der Ansicht, dass die Darbietung und Zurschaustellung von Tieren auf Unfreiheit und Unterdrückung von Bedürfnissen fühlender Lebewesen basieren und daher in einer modernen Gesellschaft keinen Platz mehr haben.

Wir fordern Sie, die Stadt Halle und die Zirkusbesucher*innen auf, endlich aufzuhören, über die Quälerei hinwegzusehen und Zirkusse mit Tieren nicht mehr zu dulden oder zu unterstützen!

Sagen Sie bitte in Zukunft NEIN zur Ausbeutung! Machen Sie sich für einen Zirkus ohne Wildtiere oder besser komplett ohne Tiere stark! Zirkusse, die ausschließlich Aufführungen mit Show-Acts wie Clowns, Akrobaten usw. anbieten, stellen eine adäquate und unterhaltsame Alternative dar – denn all diese Menschen haben die freiwillige Entscheidung getroffen, Kunststücke zu erlernen und die Manege zu betreten. Diese Menschen müssen nicht mit Peitschen und anderen qualvollen Methoden zu ihren Kunststücken gebracht werden – die Tiere leider schon.

Mit freundlichen Grüßen
Initiative wildtierfreier Zirkus Halle
http://www.wildtierfreier-zirkus-halle.de